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Villa

Villa in Kühlungsborn

Nach längerem Dornröschenschlaf wird nun endlich die Villa "Baltic" durch Contrac - Immobilien Gesellschaft für Haus- und Grundbesitz mbH stilvoll nach strengen Auflagen des Denkmalschutzes saniert, und dabei die historisch gewachsene architektonische Einbettung in den Ort erhalten.
Ich, die Villa Baltic, euer Schloss am Meer, möchte wie alle Prinzessinnen wachgeküsst werden und genauso zu all den schönen Perlen in Kühlungsborn zählen. Lasst mich ein wenig von mir erzählen.
1912 sind meine Bauherren, der jüdische Jurist Wilhelm Hausmann und seine Frau Margarethe in meine Räumlichkeiten gezogen. Damals war ich schön, ganz neu und herausgeputzt, mit marmornen Hallen, schweren Möbeln und Teppichen ausgestattet. Dazu ein großes Oberlicht, das die innenliegenden großzügigen Treppenaufgänge und den großen Saal mit Tageslicht versorgt. Außen gibt es Säulen, eine Terrasse und einen weitläufigen Balkon mit einem grandiosen Blick aufs Meer.
Meine Hausherren waren gebildete Menschen. Wilhelm, geboren in Ratibor, hat Rechtswissenschaften in Berlin studiert. Vom Referendar wurde er zum Assessor und schon bald Rechtsanwalt am Landgericht Berlin und später auch Notar und Justizrat. Ein hoher preußischer Beamter. Der finanzielle Reichtum, der damit einher ging, ermöglichte es ihm und seiner Frau, mich zu erschaffen. Margarethe war eine Tochter aus dem reichen Hause der Familie Max Frank aus Berlin. Sie erbte von ihrem Vater Immobilien und Wertpapiere.
Nun, das waren meine Geburt und meine Jugend. Doch da ein Haus sehr viel älter werden kann als seine Bauherren, war klar, dass irgendwann Veränderungen an standen. 1921 starb Wilhelm und Margarethe folgte ihm 1929. Sie fanden ihre Ruhe in meinem weitläufigen Park. Kinder hatten sie nicht und so vererbten sie mich der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin , die mich zu einem Erholungsheim machte. Aber die Zeit war schwer und unbeständig. Meine Gäste wurden vertrieben und schon hatte ich einen neuen Herren. Das war die Goebbels-Stiftung für Bühnenschaffende. Ich war zu diesem Zeitpunkt etwa 1,5 Mio. RM wert, doch die Stiftung ergaunerte mich für nur 12 TRM. Von nun an diente ich also diesen Herren zur Erholung. Doch damit war es schon sehr bald vorbei. Es brachen sehr schlimme Zeiten an. Der Krieg veränderte alles in unglaublich kurzer Zeit. Ich fand mich plötzlich als Lazarett wieder und wurde zur Notunterkunft für viele Menschen. Schreckliches habe ich gesehen.
Mit Kriegsende wurde ich an die Jüdische Gemeinde rückübertragen, die mich kurze Zeit später an den FDGB zur Nutzung übergaben. In den 70er Jahren wurde sogar investiert. Neben mir wurde eine damals moderne Meeresschwimmhalle errichtet, mit der ich baulich verbunden wurde. Wir wurden von wirklich vielen Menschen besucht.
Dann unverhofft wieder große Veränderungen: Wende, Mauerfall, Wiedervereinigung! Die sollte mir plötzlich wieder neue Besitzer bescheren, die Jewish Claims Conference. Da aber keine Investitionen getätigt werden konnten, fiel ich in einen traurigen Dornröschenschlaf.
Nach langem Hin und Her wurde ich an meine jetzigen Besitzer, die Contrac Gesellschaft für Haus und Grundbesitz mbH - die sich mit mehreren Projekten in Kühlungsborn engagiert - verkauft. Und die wollen mich nun endlich wieder wach küssen

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